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Der sensible Quälgeist – Warum das Migränegehirn anders tickt

Jeder zehnte Mensch leidet unter Migräne und wird damit oft nicht ernstgenommen. Das GEO-Magazin (02/2026) liefert einen der gründlichsten Beiträge zur Erkrankung seit Jahren – und gibt Betroffenen endlich die richtigen Worte dafür.

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Wer glaubt, Migräne sei «nur ein schlimmer Kopfschmerz», irrt. Das zeigt das Interview mit Prof. Dagny Holle-Lee, Oberärztin für Neurologie an der Uniklinik Essen und Leiterin des Westdeutschen Kopfschmerz- und Schwindelzentrums, eindrücklich. Das sogenannte Migränegehirn funktioniert anders als ein «normales» Gehirn: Es filtert Reize schlechter und gewöhnt sich weniger gut daran. Es ist, wie Holle-Lee es formuliert, «sozusagen immer auf Empfang». Schmerz-, Licht- und Geräuschreize werden intensiver wahrgenommen und bleiben länger präsent. Wenn sich negative Einflüsse häufen und das Fass überlauft, setzt die Attacke ein.

Was löst eine Attacke aus – und was nicht?

Das GEO-Interview geht differenziert auf die vieldiskutierte Frage nach «Triggern» ein. Holle-Lee rät zur Vorsicht mit dem Begriff: Alkohol, Wetterumschwünge oder Schlafmangel seien selten alleinige Auslöser, sondern Teil eines Zusammenspiels mehrerer Faktoren. Manche Betroffene meiden Schokolade oder Rotwein unnötigerweise. Entscheidend ist das Zusammenspiel – und die Lebensphase, in der sich jemand befindet.

Therapie: Von CGRP bis Neurostimulation

Der Artikel bietet einen gut verständlichen Überblick über den aktuellen Behandlungsstand. Seit der Entdeckung des Entzündungsbotenstoffs CGRP in den 1980er-Jahren haben sich die Möglichkeiten zur Prophylaxe erheblich erweitert: von klassischen Prophylaktika (Betablocker, Amitriptylin, Topiramat) über Anti-CGRP-Antikörper bis hin zu den 2025 zugelassenen Gepanten* (Atogepant, Rimegepant). Ergänzend werden Neurostimulationsgeräte für Stirn und Oberarm beschrieben – als leitliniengestützte, nicht-medikamentöse Option. Auch das Potenzial von PACAP-Antikörpern, die sich derzeit in Phase-3-Studien befinden, wird angesprochen.

Psyche, Lebensstil und psychische Belastung

Ein zentrales Thema des Beitrags ist die Bedeutung der schmerzfreien Phasen: Wer diese von Sorgen um die nächste Attacke überschatten lässt, trägt eine hohe psychische Belastung – und das beeinflusst die Lebensqualität oft stärker als die Attacken selbst. Verhaltenstherapeutische Ansätze, Entspannungstechniken und ein regelmässiger Lebensrhythmus sind dabei ebenso wirksam wie ein gutes Prophylaxemedikament – sie ersetzen es aber nicht, sondern ergänzen es.

Lese-Empfehlung

Der Artikel «Der sensible Quälgeist» (GEO 02/2026, Seiten 48–62) ist einer der verständlichsten und vollständigsten populärwissenschaftlichen Texte zur Migräne, die in den letzten Jahren erschienen sind. Er eignet sich sowohl zur Weitergabe an betroffene Patientinnen und Patienten als auch als Lektüre für alle, die in der Beratung tätig sind. 

* Rimegepant und Atogepant – Kurzüberblick für die Praxis in der Schweiz

In der Schweiz ist Rimegepant (Vydura®) für Akuttherapie und Prophylaxe der episodischen Migräne zugelassen. Die Leitlinie der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft sieht Rimegepant in der Akuttherapie als Alternative zu Triptanen, die insgesamt wirksamer bleiben. Es wird vor allem eingesetzt, wenn Analgetika oder Triptane nicht wirken, nicht vertragen werden oder kontraindiziert sind. Prophylaktisch wird es mit 75 mg jeden zweiten Tag eingenommen. Rimegepant ist limitiert auf Patient:innen mit Migräne, bei denen mindestens zwei Triptane (Akut) bzw. zwei Prophylaktika versagt haben oder nicht vertragen wurden. Die Kosten betragen etwa CHF 65.85 (2 Tabletten) bzw. CHF 214.20 (8 Tabletten). Eine Erstattung durch die Grundversicherung ist möglich, jedoch meist nur mit Limitatio und vorgängiger Kostengutsprache.

Atogepant (Aquipta®) ist in der Schweiz ist der zweite Vertreter der Gepante. Im Gegensatz zu Rimegepant ist Atogepant zur Prophylaxe und nicht zur Akuttherapie der Migräne zugelassen und muss einmal täglich oral eingenommen werden. Die Kosten belaufen sich umgerechnet auf einen Monat mit nur 30 Tagen auf 403.40 CHF /Monat. Eine Erstattung durch die obligatorische Krankenpflegeversicherung  unterliegt einer Limitatio: Atogepant wird nur vergütet, sofern die Patienten auf mindestens zwei prophylaktische Therapien mit einem Betablocker, Kalziumantagonisten, Antikonvulsivum oder Amitriptylin die je während mindestens 3 Monaten eingesetzt wurden, unzureichend angesprochen haben oder bei denen alle oben aufgeführten Migräneprophylaktika (mit Ausnahme von Kalziumantagonisten) kontraindiziert sind oder wenn diese Therapien (mit Ausnahme von Kalziumantagonisten) aufgrund von belegten, klinisch relevanten Nebenwirkungen abgebrochen werden musste.

Die Verordnung muss durch eine*n Facharzt/Fachärztin für Neurologie erfolgen und setzt eine vorgängige Kostengutsprache voraus.

 

 

 

Bild: GEO

 

 

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