Migräne: Weltweites Aus für Lasmiditan
Eli Lilly nimmt Lasmiditan (Rayvow®) weltweit vom Markt. Damit fällt – noch bevor er den Weg in die Schweiz gefunden hat – ein Wirkstoff weg, der vor allem für Migräne-Betroffene mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen ein Hoffnungsträger war, weil sie keine Triptane einnehmen dürfen.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA hatte Rayvow im Sommer 2022 zur Akutbehandlung der Kopfschmerzphase von Migräne-Attacken mit oder ohne Aura bei Erwachsenen zugelassen. In Deutschland kam das Präparat 2023 auf den Markt, fiel dort jedoch in der frühen Nutzenbewertung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) durch: Gegenüber der zweckmässigen Vergleichstherapie aus Triptanen und nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) war kein Zusatznutzen belegt – primär aufgrund fehlender vergleichender Studiendaten.
Der Wirkstoff
Lasmiditan ist ein hochaffiner, zentral penetrierender 5-HT1F-Rezeptoragonist und gehört zur Gruppe der sogenannten Ditane. Der genaue Wirkmechanismus ist nicht abschliessend geklärt; angenommen werden eine agonistische Wirkung am 5-HT1F-Rezeptor, eine reduzierte Freisetzung von Neuropeptiden sowie eine Hemmung trigeminaler Schmerzwege.
Im Unterschied zu den Triptanen wirkt Lasmiditan nicht über 5-HT1B und hat keine vasokonstriktorischen Eigenschaften. Genau das galt als sein klinisches Alleinstellungsmerkmal: Patientinnen und Patienten mit koronarer Herzkrankheit oder anderen Gefässerkrankungen, bei denen Triptane wegen ihrer gefässverengenden Wirkung nicht infrage kommen, hätten so eine zusätzliche Option erhalten.
Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählten Schwindel, Müdigkeit, Parästhesien und Sedierung. Die US-amerikanische FDA hatte deshalb empfohlen, nach Einnahme mindestens acht Stunden weder Fahrzeuge zu führen noch Maschinen zu bedienen.
Was bedeutet das für die Schweiz?
Lasmiditan war in der Schweiz nicht durch Swissmedic zugelassen und nicht im Handel. Mit dem nun beschlossenen weltweiten Marktrückzug ist eine Markteinführung in der Schweiz auch nicht mehr zu erwarten.
Eli Lilly hatte die EMA im Januar über den Rückzug informiert und die Belieferung des Grosshandels sukzessive eingestellt. Nach Angaben des Unternehmens beruht die Entscheidung nicht auf Sicherheitsbedenken, sondern auf rückläufigen Verkaufszahlen und dem zunehmenden Wettbewerb durch neuere Wirkstoffe – allen voran die Gepante.
Welche Alternativen gibt es?
Für die Akuttherapie der Migräne stehen in der Schweiz weiterhin Analgetika, NSAR und Triptane zur Verfügung. Für Migräne-Betroffene, bei denen Triptane aufgrund kardiovaskulärer Vorerkrankungen kontraindiziert sind, bleibt der neuen Klasse der Gepanten eine wirkstoffgruppenseitige Alternative ohne Gefässwirkung erhalten.
In der Schweiz ist Rimegepant (Vydura®) für Akuttherapie der Migräne zugelassen. Die Leitlinie der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft sieht Rimegepant in der Akuttherapie als Alternative zu Triptanen, wobei die Triptane insgesamt wirksamer bleiben. Es wird vor allem eingesetzt, wenn Analgetika oder Triptane nicht wirken, nicht vertragen werden oder kontraindiziert sind. Die Kosten betragen etwa CHF 65.85 (2 Tabletten) bzw. CHF 214.20 (8 Tabletten). Eine Erstattung durch die Grundversicherung ist möglich, jedoch meist nur mit Limitatio und vorgängiger Kostengutsprache (https://www.vertrauensaerzte.ch/), Die individuelle Eignung sollte mit der behandelnden Neurologin oder dem behandelnden Neurologen besprochen werden.
Bild: Semi / Adobe Stock
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