Was Hitze mit Migräne macht
Hitze, Licht, Luftdruck: Der Sommer bündelt gleich mehrere Migräneauslöser. Neue Studien liefern Erkenntnisse – und konkrete Handlungsoptionen für den Alltag.

Ein Strandtag, ein Familienpicknick – und plötzlich kündigt sich die Migräne an. Für viele Betroffene ist der Sommer ambivalent: schöne Momente, aber auch erhöhte Anfallsgefahr. Das muss nicht so bleiben.
Was löst sommerliche Anfälle aus?
Zwischen 62 und 97 Prozent der Migränebetroffenen nennen das Wetter als Auslöser. Lange galt diese Evidenz als dünn – aktuelle Publikationen ändern das Bild.
Eine Analyse in Neurology (2025) verknüpfte Kopfschmerztagebücher mit regionalen Wetterdaten. Das Ergebnis: Jeder Anstieg der Durchschnittstemperatur um 5,6 °C (10 °F) erhöhte das Kopfschmerzrisiko um rund 6 Prozent. Bemerkenswert: Unter dem CGRP-Antikörper Fremanezumab war dieser Hitzeeffekt nicht mehr nachweisbar – die erste Studie, die zeigt, dass ein vorbeugendes Medikament wetterbedingte Attacken abschwächen kann.
Eine weitere Neurology-Publikation (2026) deutet darauf hin, dass anhaltende Hitzewellen die Reizschwelle des Gehirns langfristig senken. Zusätzlich erhöht Luftverschmutzung den Verbrauch von Migränemedikamenten um bis zu 10 Prozent – besonders im Sommer, wenn Hitze und UV-Strahlung die Schadstoffwirkung verstärken.
Auch der Luftdruck spielt eine Rolle: Eine Übersichtsarbeit (Cureus, 2025) bestätigt einen Zusammenhang mit der Häufigkeit von Attacken, nicht aber mit deren Schwere oder Dauer. Als mögliche Mechanismen gelten eine Reizung des Trigeminuskerns, Gefässverengung und Sauerstoffmangel.
Und schliesslich das Licht: Das Migränehirn reagiert überempfindlich darauf. Intensives Sommerlicht senkt den Melatoninspiegel schneller und stärker als bei Menschen ohne Migräne – mit Folgen für Schlafqualität und kortikale Erregbarkeit.
12 Tipps für den Sommer
Von der Wettervorhersage über die Trinkmenge bis zur richtigen Medikamentenlagerung: Unsere zwölf Alltagstipps fassen zusammen, was die eigene Reizschwelle stabil hält.
Notfall erkennen: Hitzekollaps oder Hitzschlag?
Bei grosser Hitze ist es wichtig, einen Hitzekollaps von einem lebensbedrohlichen Hitzschlag zu unterscheiden. Warnzeichen eines Hitzschlags sind trockene, heisse Haut, ausbleibendes Schwitzen, Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörungen. Dann zählt jede Minute: sofort den Sanitätsnotruf 144 (europaweit auch 112) alarmieren, die betroffene Person kühlen und nicht allein lassen.
Fazit
Das Wetter lässt sich nicht ändern – die eigene Reizschwelle schon. Wer Schlaf, Flüssigkeit, Ernährung und Stress im Blick behält, nimmt äusseren Auslösern viel von ihrer Wirkung. Ein erfüllter Sommer ist auch mit Migräne möglich.
Alle Therapieempfehlungen ersetzen keine individuelle ärztliche Beratung.
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Quellen:
• Neurology 2025 (Martin V et al.)
• Neurology 2026 (Peles I et al.)
• Cureus Nov. 2025 (Farah A et al.)
• Current Pain Headache Reports 2024 (Denney DE et al.
• J Neurology 2025 (Shiqin Li et al.)
kieferpix / Adobe Stock
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